Narrentreiben von 1910 – 1971

Fasnet in Böttingen (vor der Gründung der Narrenzunft)

Das älteste überlieferte Narrentreiben ist aus dem Jahr 1910 bekannt. Schon damals war in Böttingen zur Fasnetzeit was los.

Die älteste protokollierte Fasnet wurde im Schriftführerbuch des Böttinger Gesangvereins gefunden. Diese war 1922. Am 25. – 26. und 28. Februar hielt der Gesangverein eine Fasnet mit Theater (was in den damaligen Jahren üblich war) unter Mitwirkung der Musikkapelle Böttingen im Gasthaus Sonne ab.

Am 10.02.1929 machte die Musikkapelle ien Konzert und einen Fasnetball. Ein Umzug konnte jedoch nicht stattfinden, da Temperaturen von über – 30°C geherrscht haben.

In den 30er Jahren zog sich die Fasnet in Böttingen fort. In diesen Jahren war das „Aufsagen“ obligatorisch, dabei zogen in verschieden närrischer Kleidung Gruppen von Haus zu Haus, um den Leuten aufzusagen. Da wurden Dorfneuigkeiten an den Mann oder die Frau gebracht. Man konnte den Leuten auch mal so richtig die Meinung sagen. Der Knüppel oder die damals obligatorische Narrenpeitsche wurde dabei des öfteren gebraucht, um einigen die Meinung einzubleuen.

Auch im Kriegsjahr 1940, am Fasnet-Sonntag, dem 5. Februar veranstaltete der Gesangverein eine kleine Fasnet im Sängerlokal „Zum wilden Weib“ (Gasthaus Sternen)

Im Jahr 1947 waren wieder einige närrische Böttinger dabei, eine Fasnet aufzuziehen. Man versuchte es nach bewährtem Muster mit dem Zigeunerwagen und einem kleinen Umzug. Zum anschließendem Umtrunk wurde – wie alle Jahre -in den Schlüsselsaal geladen.

1948 fand wiederrum eine Fasnet mit Zigeunerwagen statt. In diesem Jahr wurde erstmals die beste Kostümierung prämiert. Dieser Brauch wurde auch in den folgenden Jahren beibehalten.

Ab dem Jahr 1950 machte der Musikverein jährlich seine Fasnet im Schlüsselsaal. In diesem Jahr war auch das erste Narrenbaumsetzen in Böttingen. Es soll ein Baum von imensen Ausmaßen gewesen sein, der ungeräppelt vor dem Schlüssel aufgestellt wurde.

Der von Manfred Flad komponierte erste Böttinger Narrenmarsch wurde im Jahr 1953 im Schlüsselsaal erstmals gespielt.

1954 kam zu den in diesen Jahren üblichen Kappenabenden und dem am Sonntag stattfindenden Umzug erstmals ein Kinderumzug dazu. Hierfür wurde in den Häusern Geld gesammelt, um für die Kinder Wurst und Wecken spendieren zu können.

Außerdem soll in diesem Jahr auch der erste Strohbär durch die Straßen von Böttingen getrieben worden sein.

In den Jahren 1957 bis 1962 wurde die Böttinger Fasnet abwechslungsreich durch verschiedene Vereine gestaltet.

Das heute traditionelle Narrenbaumsetzen wurde 1966 ins Leben zurückgerufen. Ab 1969 war dann vor dem Narrenbaumsetzen das heute traditionelle Pflugziehen. In diesem Jahr waren es die Schüler, die den Narrenpflug durch den Ort zogen.

Auch der bei uns immer noch nicht organisierte Hemedglonkerumzug war dieses Jahr erstmals. Es wurde allerdings noch nicht wie heute, morgens um 6.00Uhr geweckt, sondern man zog abends um 19.00Uhr mit alten Blechbüchsen und Trommeln durch den Ort.

Beim Umzug 1971 waren erstmals wieder einige schöne Wagen, die von jungen Böttingern hergerichtet waren, zu sehen. Man konnte bei diesem, auf diese Art erstmals wieder veranstalteten Umzug von einem kleinen Erfolg der Böttinger Jugend sprechen, denn auch die älteren Böttinger zogen unerwarteter Weise voll mit, so dass ein schöner Umzug durch die Straßen von Böttingen bis ins Cafe Waldeck ging.

(Quelle: Auszüge aus der Festschrift des Ringtreffens 1987 in Böttingen)